© Otto Pötter
Wenn es regnet, lass es regnen.
Scheint die Sonne, freue dich.
Was auch immer dir begegnet,
sieh, es kehrt und wendet sich.
Ob du es mit frohem
oder trübem Sinn beschaust,
helfen kann es dir zu Hohem,
wenn du hoher Kraft vertraust.
© Otto Pötter
Es können feinste Spinnenweben
oft wunders was zu denken geben.
Auch kann man oft nur staunen,
was sanfte Brisen manchmal raunen …
Dann halt zum Wunder dich bereit,
halte inne, nimm dir Zeit
und lass dich nicht gefangen nehmen
von Wirrwarr, Hektik und Problemen.
Rücke einfach ab ein Stück
und wage einen Seitenblick.
Halte inne, nimm dir Zeit,
sei auch zum Wunder mal bereit.
Das macht dir Herz und Seele weit –
schenkt in der Zeit dir Ewigkeit
© Otto Pötter

Wir können uns winden und noch so wenden,
es hat auch mit Hochmut nichts weiter zu tun,
es gibt kultivierte Worte, die senden
das rechte Signal, ohne jedes Vertun.
Eines ist stärkend in Reinkultur,
es schenkt distanziert, dennoch Akzeptanz;
es hält uns auf der rechten Spur,
die Ambiguitätstoleranz.
Hätten wir hiervon nur etwas mehr,
wie weitaus besser ginge es uns!
Wie weniger liefe dabei quer
durch vorlaute Worte mit Kawumms.
Die Ambiguitätstoleranz
stärkt Groß- und Langmut ohnegleichen;
aus dieser schicklichen Distanz
kann sich gespreizter Stolz nur schleichen.

Nimmt man dem Fragezeichen die Krümmung, bleibt der Punkt. Er wird zum springenden Punkt, wenn uns Aufschlussreiches bewegt. Zitate und Aphorismen mit Konklusionen (Aussagen, die in einer These münden) und Prämissen (Argumente, die die These stützen) können das.
Was ist dagegen nicht alles „Ansichtssache“? Vieles mag ja stimmen mit der Ansichtssache, aber nicht, wenn Fragen und Probleme verhuscht werden. Mit dieser inflationären Redefloskel lässt sich alles relativieren. Das lenkt von klaren Aussagen ab und vernebelt den eigenen Standpunkt. Stattdessen wabert Ungewissheit und Zweifel. Die Fragezeichen krümmen sich. Es ist wie mit der missverständlichen Toleranz, sie verkrümmt die eigene Identität. Aufrichtige Toleranz hingegen fördert die gegenseitige Achtung, wahrt dabei zugleich aber die Selbstachtung. Das wirkt der Beliebigkeit entgegen. Es wären sonst, wie in der Nacht, alle Katzen grau. Worauf es ankommt ist, dass im Licht der Zeit, so auch im Spektrum der jeweiligen Situation, das Wesentliche deutlich(er) zutage tritt. Dann ermutigt oder entmutigt uns etwas, die jeweilige Sichtweise beflügelt oder lähmt, sie ermöglicht den Durchblick oder trübt die Sichtweise, trifft den Punkt oder verwirrt. Punktgenaues kann zum springenden Punkt werden. Dahinter steht dann auch wohl immer ein Verheißungssternchen *.
Jenseits von ChatGPT und KI zeichnet uns Menschen über alle Technik hinaus eine Erkenntnisfähigkeit in einem höheren Sinn aus, ein Denkvermögen, das in seinen Deutungsprismen durch Ansicht, Einsicht, Übersicht und Weitsicht den Ich-Horizont sprengt. Das bewirkt einen Motivationsschub hin zu etwas, wofür zu leben es sich lohnt. Bewegend wirken dabei wegweisende Zitate und Aphorismen. Sie sind das Geschenk von Geistesblitzen, die plötzlich etwas neu belichten. So wird Leben lebendiger.
In meinen Seminaren zu sinnorientierten Lebensverwirklichungen machte ich häufig sehr förderliche Erfahrungen mit solchen Sätzen, die es in sich haben. Sie wirkten wie Sternschnuppen der Seele, die unvermittelt alle bereicherten und neu motivierten. Irgendwann begann ich damit, diese Erkenntnisse und Betrachtungsweisen, die mir zwar eingefallen, nicht selten aber auch zugefallen sind, aufzuschreiben und zu sammeln; sie wären sonst weg. Belebende Worte aber wirken weiter.
Obwohl ich die Texte formulierte, kristallisierten sich die meisten Sentenzen aus Themen, die sich während der Seminararbeit aus der Gruppendynamik heraus ergaben. Mit Anthony de Mello (1931 – 1987) gesprochen, sah und sehe ich dabei meine Rolle als die eines Webers und Färbers, der an Stoff und Faden keinen Verdienst hat. Über das Gewirke freue ich mich nichtsdestoweniger und hoffe, dass viele Menschen hiermit Freude daran haben.
Otto Pötter
Pfingsten 2023
© Otto Pötter

Mit Herz und Seel‘ wird uns schnell klar,
Sinnspuren leuchten hier und da.
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein,
gern darf’s auch etwas mehr noch sein.
Wer dazu gerne ist bereit,
der fördert Glück und Menschlichkeit.