© Otto Pötter

 

Bild: pixabay

 

Es können feinste Spinnenweben
oft wunders was zu denken geben.
Auch kann man oft nur staunen,
was sanfte Brisen manchmal raunen …

Dann halt zum Wunder dich bereit,
halte inne, nimm dir Zeit
und lass dich nicht gefangen nehmen
von Wirrwarr, Hektik und Problemen.

Rücke einfach ab ein Stück
und wage einen Seitenblick.
Halte inne, nimm dir Zeit,
sei auch zum Wunder mal bereit.

Das macht dir Herz und Seele weit –
schenkt in der Zeit dir Ewigkeit

© Otto Pötter

 

Bild: pixabay

 

Wir können uns winden und noch so wenden,
es hat auch mit Hochmut nichts weiter zu tun,
es gibt nun mal kluge Worte, die senden
das rechte Signal, ohne jedes Vertun.

Davon ist eines in Reinkultur
hilfreich, ohne Firlefanz,
es hält uns auf der rechten Spur,
die Ambiguitätstoleranz.

Hätten wir davon nur mehr,
wie weitaus besser ging es uns!
Es liefe nicht sogleich was quer
mit Hickhack zwischen Hinz und Kunz.

Die Ambiguitätstoleranz
stärkt Groß- und Langmut ohnegleichen;
aus solch geruhsamer Distanz
kann Trotz und Ärger sich nur schleichen.

Zielende Zitate – anregende Aphorismen

Foto: Christoph Volmering (2022)

Nimmt man dem Fragezeichen die Krümmung, bleibt der Punkt. Er wird zum springenden Punkt, wenn uns Aufschlussreiches bewegt. Zitate und Aphorismen mit Konklusionen (Aussagen, die in einer These münden) und Prämissen (Argumente, die die These stützen) können das.

     Was ist dagegen nicht alles „Ansichtssache“? Vieles mag ja stimmen mit der Ansichtssache, aber nicht, wenn Fragen und Probleme verhuscht werden. Mit dieser inflationären Redefloskel lässt sich alles relativieren. Das lenkt von klaren Aussagen ab und vernebelt den eigenen Standpunkt. Stattdessen wabert Ungewissheit und Zweifel. Die Fragezeichen krümmen sich. Es ist wie mit der missverständlichen Toleranz, sie verkrümmt die eigene Identität. Aufrichtige Toleranz hingegen fördert die gegenseitige Achtung, wahrt dabei zugleich aber die Selbstachtung. Das wirkt der Beliebigkeit entgegen. Es wären sonst, wie in der Nacht, alle Katzen grau. Worauf es ankommt ist, dass im Licht der Zeit, so auch im Spektrum der jeweiligen Situation, das Wesentliche deutlich(er) zutage tritt. Dann ermutigt oder entmutigt uns etwas, die jeweilige Sichtweise beflügelt oder lähmt, sie ermöglicht den Durchblick oder trübt die Sichtweise, trifft den Punkt oder verwirrt. Punktgenaues kann zum springenden Punkt werden. Dahinter steht dann auch wohl immer ein Verheißungssternchen *.

     Jenseits von ChatGPT und KI zeichnet uns Menschen über alle Technik hinaus eine Erkenntnisfähigkeit in einem höheren Sinn aus, ein Denkvermögen, das in seinen Deutungsprismen durch Ansicht, Einsicht, Übersicht und Weitsicht den Ich-Horizont sprengt. Das bewirkt einen Motivationsschub hin zu etwas, wofür zu leben es sich lohnt. Bewegend wirken dabei wegweisende Zitate und Aphorismen. Sie sind das Geschenk von Geistesblitzen, die plötzlich etwas neu belichten. So wird Leben lebendiger.

     In meinen Seminaren zu sinnorientierten Lebensverwirklichungen machte ich häufig sehr förderliche Erfahrungen mit solchen Sätzen, die es in sich haben. Sie wirkten wie Sternschnuppen der Seele, die unvermittelt alle bereicherten und neu motivierten. Irgendwann begann ich damit, diese Erkenntnisse und Betrachtungsweisen, die mir zwar eingefallen, nicht selten aber auch zugefallen sind, aufzuschreiben und zu sammeln; sie wären sonst weg. Belebende Worte aber wirken weiter.

     Obwohl ich die Texte formulierte, kristallisierten sich die meisten Sentenzen aus Themen, die sich während der Seminararbeit aus der Gruppendynamik heraus ergaben. Mit Anthony de Mello (1931 – 1987) gesprochen, sah und sehe ich dabei meine Rolle als die eines Webers und Färbers, der an Stoff und Faden keinen Verdienst hat. Über das Gewirke freue ich mich nichtsdestoweniger und hoffe, dass viele Menschen hiermit Freude daran haben.

Otto Pötter
Pfingsten 2023

© Otto Pötter

 

Bild: pixabay

 

Mit Herz und Seel‘ wird uns schnell klar,
Sinnspuren leuchten hier und da.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein,
gern darf’s auch etwas mehr noch sein.
Wer dazu gerne ist bereit,
der fördert Glück und Menschlichkeit.

im Alltagsvers

© Otto Pötter

 

Bild privat: Himmel und Erde (Cameron Highlands Malaysia 2025)

 

Ich bin dein Gott, dein Schutz und Schild,
beachte das, was jeher gilt.
Halte dich in gutem Lote
durch diese, meine Zehn Gebote:

1. Vergötter keine Macht der Welt;
lass treu mich dir zur Seite stehn.
Ich bin dein Gott, der dich erhält,
mit mir wirst du nie untergehn.

2. Halt mich im Leben treu in Ehr‘,
bekenne achtsam meinen Namen.
So offenbart sich immer mehr
der Sinn. Sag du dazu dein Amen.

3. Verrenn dich nicht im Übermaß
in Arbeit, Stress oder Klimbim.
Tu gern auch für die Seele was,
drum sei der Sonntag dir Gewinn.

4. Seid einander zugetan
als Vater, Mutter und auch Kind.
Nehmt gern euch auch mal in den Arm,
so dass es mit der Liebe stimmt.

5. Halte an dich, niemals morde!
Leben ist das höchste Gut.
Achte Pflanzen, Tiere, Worte;
sei auch vor Rufmord auf der Hut.

6. Breche nicht den Ehebund
durch lüstern-zügellöse Gier.
Halt dich fern von Tand und Schund,
bewahre dir dein Ehrgespür.

7. Lass liegen, was dir nicht gehört,
das raubt ineins dir Glück und Ruh‘.
Auch Raffgier ohne Rücksicht stört
und macht kaputt mit jedem Coup.

8. Dein Wort sei ehrlich stets und klar,
nicht lügnerisch, auch nicht gerissen.
Ist das, was du sagst, fair und wahr,
belastet ’s auch nicht dein Gewissen.

9. Sei vor Begehrlichkeiten auf der Hut.
Der Geiz stößt ab durch Unmanier.
Wem nie genug ist Geld und Gut,
vertreibt Zufriedenheit durch schnöde Gier.

10. Nicht alles was da lockt, macht froh,
schon nicht in Sodom und Gomorra.
Allemal ist’s besser so:
Ora et labora.